Hessisch Lichtenau

Erinnerung an jüdische Kultur

 ...auf dass wir klug werden

Die fünf Musiker Cathrin Schulze (von links), Andreas Jahn, Holger Masche, Birgit Götz und Andreas Walendy mit Sprecher Dr. Alexander Römer (hintere Reihe) überzeugten beim Konzert in der Lichtenauer Stadtkirche.

Pressebericht der HNA vom 15. November 2022

Hessisch Lichtenau – Der Psalm 90 zog sich mit Worten und Gedanken
von Dr. Alexander Römer wie ein roter Faden durch das Konzert am Samstagabend in der Hessisch Lichtenauer Stadtkirche. Mit musikalischen Beiträgen überzeugten die fünf Musiker des Blechbläserensembles des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck unter der
Leitung von Kirchenmusikdirektor und Landesposaunenwart Andreas Jahn.

Der jüdischen Kultur war das Konzert mit dem Titel „… auf dass wir klugen
werden“ gewidmet. Einen besseren Zeitpunkt für die Veranstaltung habe
es wenige Tage nach dem 9. November, womit Pfarrerin Dagmar Ried-Dickel an die Reichspogromnacht von 1938 erinnerte, als die Nationalsozialisten die Synagogen in Brand steckten und mit der systematischen Vernichtung des jüdischen Volks begannen, sowie am Vorabend des Volkstrauertags und dem bevorstehenden Buß- und Bettag Mitte der Woche kaum geben können, lobte die Geistliche die Wahl des Termins.
Psalmen sind sowohl im Judentum als auch im Christentum poetisch religiöse Texte, oft auch mit liturgischer Funktion.

So starteten die Musiker nach Römers ersten beiden Versen des Psalms 90
mit dem Psalm 100 „Jubelt dem Ewigen, alle Lande“, zu dem der deutsch-jüdische Komponist Louis Lewandowski (1821-1894) die Noten geschrieben hatte. Mit seinem vertonten Teil des Psalms 90 „Unsere Tage zählen
lehre uns, Herr“ setzte das Ensemble den Schlusspunkt unter das 80-
minutige Konzert der besonderen Art.

Dazu gehörten auch die Texte von Elisabeth Lasker-Schüler, einer deutschen Dichterin mit jüdischer Abstammung. Aus ihren Beiträgen „Ein Lied an Gott“, „An mein Kind“, „Sehnsucht“ und „Du es ist Nacht“ las Römer die Passagen von der Kanzel. Zum Lachen brachte er das Publikum mit den Kurz-geschichten aus Axel Kühners Buch „Voller Witz und Weisheit“. Der
82-jährige Pfarrer und Autor versteht sich bestens auf die Kombination
von jüdischem Humor und rabbinischen Weisheiten, wie in den Beiträgen
„Verbindlich und schlagfertig“, „Schöne Liebesgeschichte“ und „Sehnsucht“
deutlich wurde.

Andreas Jahn, der selbst die Posaune spielte, hatte aus seinem insgesamt
15-köpfigen Blechbläserensemble für den Auftritt in der Lossestadt Cathrin Schulze und Andreas Walendy (beide Trompete), sowie Birgit Götz (Horn) und Holger Masche (Tuba) wegen ihrer Instrumente ausgewählt, um dem diffizilen Charakter der Musikstücke gerecht zu werden, zu denen auch Klezmer-Stücke gehörten, zu denen Jahn die Arrangements geschrieben hat.

Werke aus der jüngeren Musikgeschichte der Komponisten Traugott Fünfgeld, Steffen Schiel, Wieland Herzfelde, Andreas Jahn selbst und seinem
Vater Thomas Jahn sowie des englischen Komponisten Henry Purcell aus
dem 17. Jahrhundert rundeten das Programm ab. (Lothar Röß)

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Barockensemble Kassel gastierte in der Stadtkirche

Grandioser Auftritt: Das Barockensemble Kassel mit Saskia Brandstäter (vorn, von links), Kirsten Sebode,
Elsa Joppich, Johanna Meyer und Wiebke Menzel; dahinter: Lukas Dierich (von links), Thomas Messerschmidt, Joachim Dietrich und Maximilian Schröder.

Pressebericht der HNA vom 25. Oktober 2022

Hessisch Lichtenau – Eine musikalische Sternstunde erlebte Hessisch Lichtenau am Samstagabend in der evangelischen Stadtkirche. Erstmals zu Gast nach entbehrungsreichen Corona-Zeiten war dort das Barockensemble Kassel mit Werken von Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach und
dessen gleichnamigem Cousin Johann Bernhard. Und selbst wer nicht unbedingt der beste Freund klassischer Komponisten ist, musste einfach hingerissen sein von einem Hörgenuss mit Seltenheitswert.
Die begeisterten Zuhörer im gut besetzten Gotteshaus dankten mit minutenlangem Beifall dem neunköpfigen Ensemble unter der Leitung von Thomas Messerschmidt (Basso Continuo), allen voran der Sopranistin Wiebke Menzel und dem Bassisten Maximilian Schröder.
Auf der ganzen Linie überzeugten auch die Instrumentalisten Saskia Brandstäter (Oboe), Elsa Joppich und Johanna Meyer (beide Violine), Kirsten Sebode (Flöte), Joachim Dietrich (Viola) sowie Lukas Dietrich (Violoncello).
Thema der Gala war das Leben und Sterben, musikalisch präsentiert in umgekehrter Reihenfolge.
So waren zunächst zwei Kantaten Telemanns zu hören, die sich mit dem Tod
befassten, die Sterblichkeit des Menschen und eine düstere Endzeit-stimmung in Noten umsetzten. Als brillanter Sänger einen nachhaltigen Eindruck hinterließ dabei Maximilian Schröder, der mit voluminöser Stimme und feiner Akzentuierung bis in den letzten Winkel des Gotteshauses vordrang, jedes Wort verständlich rüberbringend, wie etwa dieses: „Mein Gott, weiche nicht von mir. Nimm mich in deine Hände. Aus aller Not hilf mir am letzten Ende.“ Als begnadete Sängerin erwies sich auch Wiebke Menzel, die sich musikalisch dem Leben zuwandte, als Kantate niedergeschrieben von Johann Sebastian Bach. Mit ihrer glockenklaren Stimme erreichte die Sopranistin scheinbar mühelos schwindelnde Höhen. Ihr Auftritt – einfach nur großartig.
Sozusagen als Intermezzo hörte das faszinierte Publikum ein längeres Instrumentalstück aus der Feder von Johann Bernhard Bach. Nicht überraschend, entpuppten sich die Künstler als ein äußerst homogener Klangkörper, die auch dem kleinsten Wink ihres Dirigenten folgten. Oft reichte da nur ein Augenaufschlag.
Natürlich war eine Zugabe fällig mit einer Botschaft, der wohl jeder zustimmen mochte: „Was Gott tut, ist wohl getan.“ „Vom Dunkel zum Licht“ hatte das Kasseler Barockensemble sein fast 90-minütiges Gastspiel in der Lossestadt getauft - und überstrahlte am Ende alles. zcc

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